Samstag, 25. Dezember 2010
Autos wie Sand am Meer
Wenn die Brasilianer in ein Auto steigen, ist es mit der zuvor beschriebenen Lässigkeit vorbei. Mich wundert es, dass die Formel 1 nicht von vielen kleinen Ayrton Sennas dominiert wird - der Verkehr hier ist das optimale Training. Auf den Straßen geht es schlicht chaotisch zu. Ampeln und Zebrastreifen gibt es und es hat auch ein paar Autofahrer, die diese beachten. Darauf verlassen sollte man sich aber nicht. Es gilt das Prinzip: Wer zuerst fährt (oder läuft), hat gewonnnen. Der andere steckt dann meistens zurück (aber nicht immer, s.u. die Unfallopfer).

Salvador ist eine Großstadt, entsprechend dicht ist der Verkehr. In den Stoßzeiten ist ein Durchkommen schier unmöglich - es sei denn, man fährt ein Zweirad. Für diese Verkehrsteilnehmer gelten nämlich keine Regeln. Die fahren, wo gerade Platz ist: Links vorbei, rechts vorbei. Dreispurige Stadtstraßen sind hier praktisch fünfspurig. Zwischen den Markierungen fahren die Autos, auf den Markierungen die Zweirräder. Damit nichts passiert, hupen die Motorräder dauerhaft. Ohnehin ist die Hupe das wichtigste Teil an jedem Fahrzeug. Wer hier links abbiegen will und wegen Gegenverkehrs nicht gleich von der Straße kommt, wird mit einem Hupkonzert der nachfolgenden Fahrer "belohnt".

Ich selbst bin hier mit Bussen unterwegs. Das System ist gut ausgebaut und billig. Man zahlt umgerechnet pauschal ungefähr einen Euro und kann dann in der ganzen Stadt herumfahren. Die Busse sind hier übrigens auch in einem Höllentempo unterwegs.

Es gilt in Brasilien also, die Augen im Verkehr immer offen zu halten. Dass selbst die Brasilianer mit dem Chaos ihre Probleme haben, zeigt die Verkehrsstatistik: Demnach gab es 2008 etwa 37.000 Unfallopfer, zehn mal so viel wie in Deutschland. Wenn man hier durch die Stadt läuft, sieht man auch verdächtig viele Personen, die humpeln oder auf Krücken gehen. Ich glaube nicht, dass das alles vom Fußball spielen kommt!

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In der Ruhe liegt die Kraft
Brasilien gilt als langsames Land. Nach drei Wochen kann ich sagen: Das ist kein Vorurteil! Leute, die über die Straße hetzen, gibt es hier kaum - und wenn haben sie meist eine verdächtig helle Hautfarbe und sind wohl keine Einheimischen. Auf den Straßen ist Schlendern angesagt - oder man setzt sich gleich gemütlich in eine der zahlreichen Bars, Straßencafes u.a. Die sind auch über den Tag ordentlich besucht. Da könnten sich die Becksteiner mal eine Scheibe abschneiden. Aber was würden dann die Nachbarn denken :-).

Besonders krass ist der Unterschied zu Deutschland beim Einkaufen. In Deutschland hat mir eine Aldi-Kassiererin einmal erklärt, wie ich meinen Einkaufswagen am besten positioniere, damit ich die eingescannte Ware möglichst schnell vom Band bekomme. Hier ist so etwas schlicht nicht vorstellbar: In vielen Supermärkten packt entweder die Kassiererin nach dem Abkassieren die Waren in Tüten ein oder aber es gibt eine weitere Angestellte, die das übernimmt. Sofern du das Verstauen in die Tüten doch einmal selbst machen musst, kein Grund zur Hektik. Hier beschwert sich weder die Kassiererin noch jemand aus der Reihe hinter dir, wenn es ein bißchen dauert.

Soweit so gut. Teilweise ist die Lässigkeit der Brasilianer eine Wohltat im Vergleich zur Hektik in Deutschland, sie hat aber auch Nachteile. Dazu in den nächsten Tagen mehr.

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Sunshine Reggae!
Sicher ein bißchen fies über das Wetter zu schreiben, wo ich doch weiß, dass ihr in Deutschland alle Blasen an den Händen habt vom vielen Schnee schaufeln ;-). Aber mit irgendwas muss ich anfangen.

Salvador liegt auf der Südhalbkugel. Wir haben hier also jetzt Sommer. Dazu liegen wir recht nahe am Äquator. Fazit: Es ist hier warm! Dazu ist die Luftfeuchtigkeit relativ hoch. Ganz ohne Schweiß kommt man also nicht durch den Tag. Allerdings finde ich es keinesfalls so unerträglich, wie mir im Vorfeld mehrfach gesagt wurde. Die rund zweiwöchige Hitzeperiode, die wir in Deutschland 2010 (ich glaube im Juli) hatten, war schweißtreibender und schlimmer. Wegen der Nähe zur Küste (ich kann von meiner Pousada aus fast das Rauschen vom Meer hören) weht hier immer ein angenehmer Wind. Insgesamt ist das Wetter etwa so wie in Deutschland im normalen (also keinem extremen) Hochsommer, inklusive ein oder zwei Gewittern (mit heftigen Regengüssen), die ich schon erleben durfte.

Unübertrefflich: Die warmen, tropischen Nächte. Man kann bis spät in die Nacht mit kurzer Hose und Shirt im Freien sitzen. Gefroren habe ich hier noch nie. Eine lange Hose oder eine Jacke sind zumindest in der aktuellen Jahreszeit nicht erforderlich.

Seltsam: Die Brasilianer sind wohl Frühaufsteher. Hell wird es hier so gegen 5 Uhr. Die Sonne geht bereits gegen 18 Uhr unter, eine halbe Stunde später ist es dunkel. Allerdings macht mir hier das frühe Aufstehen gar nicht so viel aus (trotz meiner Tendenz zum Morgenmuffel). Das mag auch daran liegen, dass hier ab 6 Uhr ohnehin so ein Lärm herrscht, dass an einen ruhigen Schlaf nicht mehr zu denken ist. Aber dazu mehr in einem anderen Thema.

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Sieben Wochen Sonne!
Hallo zusammen.

Ich hatte einigen Leuten versprochen, ihnen über meinen siebenwöchigen Abstecher nach Brasilien ein paar Infos zukommen zu lassen. Ich denke, am einfachsten funktioniert das über einen Blog. Eine Darstellung in Tagebuchform (morgen aufstehen, essen, duschen usw.), finde ich öde. Daher habe ich mir vorgenommen, das ganze in einzelne Themen zu verpacken. Ich fange dabei mit einfacheren Dingen (wie etwa Klima, Verkehr, Lebensstil) an, verspreche aber, dass ich die interessanten und komplexen Themen - also vor allem Frauen ;-) - zum Ende hin auch noch aufgreifen werde.

Es kann sich dabei selbstverständlich immer nur um meine subjektive Einschätzung handeln, die in einigen Punkten von dem abweicht, was ich im Vorfeld in Reiseführern oder dem Internet gelesen habe.

Zuerst aber ein paar Rahmendaten: Ich bin am 05. Dezember 2010 in Brasilien angekommen und bleibe bis zum 23. Januar 2011. Untergebracht bin ich in einer Pousada in Salvador de Bahia. Die Stadt ist mit rund 3 Mio. Einwohnern eine der größten in Brasilien und liegt an der Küste im Nordosten. Als ehemaliger Umschlagplatz für Sklaven aus Afrika ist Salvador bis heute ein Zentrum für die afrikanische Kultur geblieben. Sie hat den höchsten Anteil an Schwarzen aller Städte in Lateinamerika. Wer mehr Infos zu der Stadt haben möchte: Zu Salvador gibt es auf Wikipedia und im Internet allgemein reichlich zu lesen. Das muss ich hier nicht alles nacherzählen.

Vormittags besuche ich übrigens eine Sprachschule (hier spricht man portugiesisch), um mal wieder was für meine Bildung zu tun. Anschließend versuche ich, mich in der Stadt durchzuschlagen (einkaufen, Essen gehen, sonstige Besorgungen erledigen), was mangels meiner Sprachkenntnisse nicht immer einfach ist, zumal hier kaum jemand englisch und kein Einheimischer deutsch spricht.

So, genug geplappert. Jetzt lege ich mal mit den ersten Themen los!

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