Donnerstag, 20. Januar 2011
No risk, no fun
Horrorgeschichten über die Sicherheitslage in Brasilien sind weit verbreitet. Die Organisatorin meiner Reise warnte etwa davor, nach Anbruch der Dunkelheit (also nach 18.30 Uhr) alleine durch die Stadt zu laufen. Im Internet gibt es Berichte, dass die Nutzung von Taxis quasi der "Einwilligung" zur Organspende gleicht.

Ich bin hier schon sehr oft in der Nacht durch Barra (meinen Wohnort) gelaufen und habe auch mehrfach Taxis benutzt. Herz, Leber und Nieren sind noch da und noch nicht mal einem Taschendieb bin ich bislang zum Opfer gefallen.

Aber ganz klar: Brasilien ist ein Schwellenland, die Sicherheit erreicht bei weitem nicht das in Europa bekannte Niveau. In die Armenviertel (Favelas) sollte man ohne sachkundige Personen besser nicht gehen. Im Pelourinho (der historischen Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählt) wimmelt es von Taschendieben. Teure Accessoires wechseln hier schneller den Besitzer als man denkt.

Von Überfällen hört man auch immer wieder. Bestes Gegenmittel: Ein paar kleinere Geldscheine mitnehmen und die einem Räuber ohne Gegenwehr aushändigen. Die meist drogensüchtigen Täter sind dann zufrieden (habe ich zumindest so gehört). Weitere Sicherheitsvorkehrungen: Augen stets offen halten und bei Dunkelheit um Personengruppen einen Bogen machen.

Tagsüber sehe ich ein Risiko neben dem mörderischen Verkehr in der Vielzahl an Sicherheitsleuten, die zwar auf der einen Seite vor Überfällen schützen, aber selbst recht schnell zur Waffe greifen. Und geballert wird hier blind - auch in Menschenmengen. Berichten zufolge gibt es hier jedes Jahr massenhaft tote Zivilisten, die quasi als Kollateralschaden bei der Verbrechensbekämpfung zu bedauern sind. Zuletzt ging das etwa in Rio bei der Räumung der Favelas durch die Presse.

Dass Brasilien nicht ungefährlich ist, habe ich bei einem Landsman aus Norddeutschland "bewundern" können. Er hat mir mehrere Narben gezeigt: Eine angeblich durch einen offenen Bruch nach einem Verkehrsunfall hier, eine nach einem Messerangriff. Allerdings hat er auch von mehreren Favela-Besuchen erzählt. Er gehört also offenbar zu den Menschen, die das Risiko lieben.

Leichtsinnig sollte man hier sicher nicht sein. Aber in Anbetracht der herrlichen tropischen Nächte, der leckeren Caipirinhas und der dunkelhäutigen Schönheiten wäre es dumm, nach Anbruch der Dunkelheit in seiner "Casa" sitzen zu bleiben: No risk, no fun!

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